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Letztes Update:  04-Aug-2015

Eine Orgel für's Wohnzimmer?

Organist zu sein, ist ein Privileg. Eine Orgel wirklich zu beherrschen und all ihre Facetten im richtigen Licht wiederzugeben, ist es noch viel mehr. Das erfordert viel Übung, Erfahrung – und natürlich das Instrument an sich. Insbesondere dem Amateur oder Autodidakten mangelt es anfangs meist an Möglichkeiten zum Ausprobieren und Spielen, zum Einen aufgrund noch nicht bestehender Kontakte und zum Anderen durch eine sehr enge Bindung zwischen der Orgel als Instrument und der Institution Kirche als ihrer vornehmlichen Behausung. Denn wer hat schon Geld und Platz für eine Orgel in der Größenordnung z.B. einer Münsterorgel...? Aus dieser Not heraus entstand Stück für Stück eine Übungsmöglichkeit im heimischen Wohnzimmer, die sich zwar klanglich sicher nicht zu 100% mit einer realen Pfeifenorgel messen kann, aber zumindest die Illusion einer solchen solide aufrecht zu erhalten vermag. Über den Entstehungsprozess, das Resultat und die Hintergründe soll hier berichtet werden.

Wie alles begann

Schon als Kind war ich vom sowohl mächtigen, wie auch vielseitigen Klang großer Orgeln und den motorischen Fähigkeiten der Organisten, die sie spielten, begeistert. Nachdem auch die Eltern dies erkannten, gab es das erste kleine elektronische Keyboard als Geschenk zum neunten Geburtstag. Mit daraufhin begonnenem und dann fortschreitendem Keyboardunterricht wuchs auch das Instrument mit – bis mir die Predigten meines Lehrers, auf einen korrekten Fingersatz zu achten, buchstäblich zum Halse heraushingen. Nur schleppend wurden neue Lieder einstudiert, und die eigene Phantasie ward in einen Käfig gesperrt. Das erzeugte einen gewissen Frust, der mich der Musikschule fernblieben ließ. Sehr zum Ärger meiner Eltern natürlich, die erst nach Wochen fleißigen Weiterzahlens durch den Keyboardlehrer davon erfuhren. Mein Keyboard wurde eingezogen und verschenkt – ein Alptraum! Nach einiger Bettel- und Überzeugungsarbeit bekam ich es jedoch zurück und setzte meine "Experimente" in Eigenregie fort. Auch wenn ich heute die Eindringlichkeit meines Lehrers verstanden habe, bereue ich die Entscheidung nicht, denn sie hat mir die Freude am ungezwungenen Spielen wiedergegeben und sie bis zum heutigen Tage noch immer konserviert.


Vom Keyboard zur Heimorgel

Etliche Jahre später, während des Informatikstudiums, entdeckte ich durch einen guten Freund die Möglichkeiten, die ein MIDI-fähiges Keyboard in Verbindung mit entsprechender Software bietet. Rasch fand sich ein deutlich "echter" klingendes Orgel-Sampleset für den Synthie, was unter dem Titel "Live At The WhirlPool Organ Arena" zu einigen Mitschnitten führte (bis einschließlich Nr. 20). Im Dezember 2010 hatte ich durch die Cousine eines Freundes und Arbeitskollegen dann die große Ehre, die Klais-Orgel im Ingolstädter Münster spielen zu dürfen. Auch wenn sich meine Erfahrungen mit einer "echten" Orgel bis dato sehr in Grenzen hielten und ich mich noch nicht viel dazu belesen hatte, so war es doch nicht nur ein wunderschönes Erlebnis, sondern gleichzeitig der Zündfunke für alle weiteren Aktivitäten zum Thema Orgel.

Daraufhin wurde beispielsweise der Teil einer guten Steuerrückerstattung in ein zweites Keyboard (ein Fatar VMK-88) gesteckt, und ca. 2012 wurde das altgediente Stück Tastenplastik aus Studienzeiten durch ein etwas "orgelfühligeres" Fatar VMK-161plus Organ ersetzt. Nachdem durch einen Umzug in 2011 nun deutlich mehr Platz in der Wohnung zur Verfügung stand, gab es auch für die Anschaffung eines gebrauchten Vollpedals keinen Hinterungsgrund mehr. Natürlich lässt sich das Ganze nicht mehr mit einem Stuhl spielen, also musste eine Orgelbank her.


Wo gehobelt wird, ...

Da mir die Preise für die angebotenen Holzklötze einfach zu happig waren und ich gern etwas zu Möbeln und Sichtdachstuhl Passendes haben wollte, war Selbstschreinern angesagt. Nachdem das Endergebnis meine Erwartungen hinsichtlich Optik, Bequemlichkeit und Stabilität erfüllt hat, war genügend Motivation vorhanden, um auch noch einen Spieltisch in Angriff zu nehmen. Wie man auf den Fotos wohl erkennen kann, ließ die bestehende Terassenkonstruktion für die beiden Keyboards – ich nenne sie einmal bewusst nicht "Manuale" – in puncto Sitzposition sehr zu wünschen übrig. Mit einem ständig vorgebeugten Oberkörper waren nicht nur Rückenbeschwerden vorprogrammiert, sondern auch das Körpergleichgewicht wurde beeinträchtigt, was das Pedalspiel sehr erschwerte und bestimmte Texturen, z.B. Läufe von mehr als einer Oktave, komplett unmöglich machte. Daher sollten mit einem (optisch zur bereits fertigen Orgelbank passenden) Spieltischgestell die Keyboards auf ergonomische, komfortable Höhe angehoben und bei der Gelegenheit auch gleich näher an den Körper gerückt werden.

Da ich nicht selbst über geeignete Maschinen (Schleifigel, Oberfräse, etc.) verfügte, ging einige Zeit ins Land, bis sich schließlich ein Arbeitskollege der Sache annahm und wir gemeinsam "Nägel mit Köpfen" machten. Bis zur endgültigen Fertigstellung sollte es jedoch nochmals ein gutes Jahr dauern... Doch die Wartezeit hatte auch ihr Gutes. Denn in der Zwischenzeit vertieften sich meine Einblicke in den Orgelbau und die Umsetzung anderer Heimprojekte. Auf Basis dieser Erkenntnisse und in dem Wunsch, ein realistischeres Spielgefühl in den Manualen zu erhalten, beschloss ich, auf den aktuell installierten Manualblock mit drei Druckpunktklaviaturen zu sparen. Einen Spezifikationsbesuch in Salzwedel, mehrere eMails und Telefonate sowie hartnäckiges Nachfragen führten letztlich zum Erfolg und Mitte 2014 war es dann endlich soweit: Ein 30-Kilo-Paket traf ein.


AEG: Auspacken, Einschalten, Geht.

Installation und Konfiguration des Blocks gestalteten sich weitestgehend unproblematisch. Einziger Wermutstropfen war die anfangs nicht funktionierende Rückkommunikation von Pistonaktivitäten am Rechner an den Manualblock. Nach erneutem wochenlangen Warten auf Antwort ließ mich ein Hinweis im nächsten "Nervtelefonat" jedoch aufhorchen und sorgte dafür, dass nach einem Kommunikationscheck und Korrektur eines Konfigurationsfehlers doch noch alles wie beabsichtigt funktionierte.

Als nächster Schritt stand der Kauf eines neuen Vollpedals passend zu Bank und Spieltisch an. Das seinerzeit über eBay gebraucht ersteigerte, nachträglich midifizierte Wersi-Pedal wurde mir allmählich etwas lästig, da die Federn unter den Tasten doch ganz schön knarzten und das Klicken der Schaltkontakte mir irgendwann immer mehr auf die Nerven ging. Ganz zu schweigen vom Anschlaggeräusch beim Loslassen der Tasten, das bei schnellen Pedalpassagen teils die Musik übertönte. Glücklicherweise fand ich "um die Ecke" in Schwaben einen Händler, mit dem sich die ganze Prozedur – im vollen Gegensatz zu der Aktion mit dem Manualblock – schnell und unkompliziert abwickeln ließ. Damit steht der für Mitte-Ende Oktober 2014 geplanten Einweihung der "Zahn-Neumann-Orgel" mit einigen Orgelfreunden aus der Umgebung nun nichts mehr im Wege...

Und der Organist sprach: Es werde laut!

In der Zwischenzeit wurde noch eine weitere Anschaffung fällig: Die gute alte Stereoanlage von 1993 funktionierte zwar noch tadellos wie am ersten Tag, allerdings leben wir mittlerweile im dritten Jahrtausend nach Christus und so wurde mal ein Update auf ein Surround-System fällig. Glücklicherweise unterstützt die verwendete VPO-Software (VPO = Virtual Pipe Organ) die Wiedergabe auf Mehrkanal-Audiosystemen. Da die einzelnen Pfeifensamples jedoch nicht als mehrkanalige Aufnahme, sondern nur in Stereo vorliegen, wurden kurzerhand die linken und rechten Kanäle jeweils zwei verschiedenen Lautsprechern im Raum zugeteilt (siehe Skizze).

Die Verteilung erfolgte dabei chorweise und orientierte sich an deren gefühlter Lautstärke. So liegen beispielsweise die weichen Flötenregister näher an der häufigsten Hörposition, während Trompeten und sonstige Zungenregister eher in die Ferne gerückt wurden. Mixtur, Sesquialter und Aliquoten sind für einen ausgewogeneren Gesamtklang quer durch den Raum dirigiert; 16'- und 32'-Bassregister verwenden zur besseren Wiedergabe des gesamten Tonumfangs nicht nur den Subwoofer, sondern auch den Center-Lautsprecher. Um den "trocken" (also ohne Nachhall des Raumes direkt an der Pfeife) aufgenommenen Samples passend zum Raum etwas mehr "Kirchenfeeling" zu verleihen, wurde die in der VPO-Software vorhandene Option für das Einrechnen eines sog. Faltungshalls mittels Impulse-Response-Aufnahmen eines echten, physikalisch existenten Raumes bzw. Gebäudes aktiviert. Da sich das mit nur wenigen Klicks schnell und unkompliziert ändern lässt, hallt es je nach persönlicher Lust und Laune mal zwischen 5 Sekunden wie in einem stillgelegten Kernreaktor und 8 Sekunden wie im York Minster.


Hinter den Kulissen

Angesteuert wird die virtuelle Pfeifenorgel aktuell durch einen (mittlerweile schon etwas betagten) Desktop-Rechner mit der folgenden Konfiguration:

Man sieht, es geht auch preiswert. Einzig nervig sind die Hänger in der Wiedergabe, die reproduzierbar entstehen, wenn neben der Orgelsoftware noch andere Programme laufen, die viel Festplattenaktivität verursachen. Beispielsweise scheinen aktuelle Versionen des Webbrowsers "Firefox" ein Speicherleck zu haben, was in erhöhter Arbeitsspeicherauslagerung auf die Festplatte und damit dem oben erwähnten Problem resultiert. Bei der bereits beschafften, aber noch nicht lauffähigen neue Hardware ist aber eine SSD-Festplatte mit dabei, die das Problem ein für alle Mal erschlagen sollte.


Dispositionen

I – Hauptwerk   C-g3 II – Positiv   C-g3 III – Schwellwerk   C-g3 P – Pedal   C-f1
Borduna 16′
Principal 8′
Quintadena 8′
Gamba 8′
Gedakt 8′
Oktava 4′
Rörflöjt 4′
Gambette 4′
Oktava 2′
Flöjt 2′
Sesquialtera II
Mixtur V
Trumpet 16′
Trumpet 8′
Trumpet 4′
Tremulant
Superoktavkoppel
Gedakt 16′
Geigen-Principal 8′
Hålflöjt 8′
Gedakt 8′
Gemshorn 4′
Koppelflöjt 4′
Rörkvint 223
Principal 2′
Flöjtlein 2′
Ters 135
Nasat 113
Septima 117
Oktava 1′
Cymbel II
Fagott 16′
Krumhorn 8′
Tremulant
Gedakt Pommer 16′
Principalflöjt 8′
Rörflöjt 8′
Salicional 8′
Viol Celeste 8′
Principal 4′
Hålflöjt 4′
Salicette 4′
Rörkvint 223
Valdflöjt 2′
Ters 135
Sivflöjt 1′
Scharf III
Dulcian 16′
Skalmeja 8′
Tremulant
Suboktavkoppel
Untersatz 32′
Principal 16′
Subbas 16′
Violon 16′
Principal 8′
Violoncell 8′
Gedakt 8′
Oktava 4′
Flöjt 4′
Nachthorn 2′
Rauschpfeife IV
Kontrabasun 32′
Basun 16′
Dulcian 16′
Trumpet 8′
Krumhorn 8′
Trumpet 4′
  • Koppeln: I/P, II/P, III/P und II/I, III/I, III/II; I/4' und III/16' (siehe Disposition)
  • Setzeranlage: 1.000 Speicherplätze, 30 Generals, 8 Divisionals pro Werk
  • Schweller: Positiv (II) und Schwellwerk (III)
I – Hauptwerk   C-g3 II – Schwellwerk   C-g3 P – Pedal   C-f1
Bourdon 16′
Principal 8′
Doppelflöte 8′
Dolce 8′
Oktave 4′
Flute 4′
Oktave 2′
Mixtur
Cornett IV
Trompete 8′
Superoktavkoppel
Superoktavkoppel an II
Suboktavkoppel an II
Geigenprincipal 8′
Synthematophone 8′
Lieblich Gedeckt 8′
Viola coelestis[1] 8′
Salicet[2] 4′
Flute harmonique 4′
Quinte 223
Cornett IV
Scharff[2]
Echo Trompete[2] 8′
Tremulant
Superoktavkoppel
Suboktavkoppel
Contrabass 16′
Subbass 16′
Gedecktbass 16′
Octavbass 8′
Violonbass[2] 8′
Gedeckt 8′
Oktave 2′
Posaunenbass 16′
Fagotbass[2] 32′
Superoktavkoppel an I
  • [1] Originalname: "Viola". Nachträglich in GrandOrgue um +10ct gepitcht, um eine Schwebung erzeugen zu können.
  • [2] Extension (im Originalinstrument nicht vorhanden)
  • Koppeln: I/P, II/P und II/I; I-4'/P, I/4', II-4'/I, II-16'/I, II/4' und II/16' (siehe Disposition)
  • Setzeranlage: 1.000 Speicherplätze, 5 Generals, 5 Divisionals pro Werk
  • Schweller: Schwellwerk (II)
I – Manual I   C-g3 II – Manual II   C-g3 P – Pedal   C-f1
Pryncypał 8′
Flet kryty[1] 8′
Viola di gamba 8′
Oktawa 4′
Flet rurkowy[2] 4′
Oktawa 2′
Mixtura 113
Flet otwarty[3] 8′
Gemshorn 8′
Flauto amabile 8′
Pryncypał 4′
Flet kryty[1] 4′
Nasard[4] 223
Szpicflet 2′
Tercja[5] 135
Kwinta 113
Krumhorn[2] 8′
Tremolo
Subbas 16′
Oktawbas 8′
Flet kryty[1] 8′
Chorałbas 4′
Fagot 16′
  • [1] Gedecktflöte
  • [2] Rohrflöte
  • [3] Offene Flöte
  • [4] Ab g0
  • [5] Ab c1
  • Koppeln: I/P, II/P und II/I
  • Setzeranlage: 1.000 Speicherplätze
I – Manual I   C-f3 II – Manual II   C-f3 P – Pedal   C-d#1
Bordun 16′
Principal 8′
Flute harm. 8′
Fugara 8′
Oktave 4′
Quinte 223
Oktave 2′
Mixtur III
Cornett[1] IV
Geigenprincipal 8′
Gedact 8′
Viola di Gamba 8′
Praestant 4′
Flauto dolce 4′
Tremulant
Violon 16′
Subbass 16′
Oktavbass 8′
Bassflöte 8′
Posaune 16′
  • [1] Ab c1
  • Koppeln: I/P, II/P und II/I
  • Setzeranlage: 1.000 Speicherplätze, 30 Generals
I – Hauptwerk   C-g3 II – Schwellwerk   C-g3 P – Pedal   C-f1
Open Diapason 8′
Claribel Flute 8′
Dulciana 8′
Principal 4′
Fifteenth 2′
Violin Diapason 8′
Lieblich Gedeckt 8′
Echo Gamba 8′
Octave 4′
Piccolo 2′
Closed Horn 8′
Orchestral Oboe 8′
Tremulant
Superoktavkoppel
Bourdon 16′
Violon-Cello 8′
  • Koppeln: I/P, II/P und II/I; II/4' (siehe Disposition)
  • Setzeranlage: 1.000 Speicherplätze
  • Schweller: Schwellwerk (II)

Wie es weitergeht

Irgendwie fehlt dem Spieltisch auch noch eine hübsche Oberbeleuchtung. Optisch sehr ansprechend und mein persönlicher Favorit ist diese Leuchte von Weiblen, allerdings ist die nicht gerade billig und beim Platzbedarf werde ich aufgrund der Dachschräge ein wenig tricksen müssen.

Wie schon weiter oben erwähnt, wartet bereits neue Rechner-Hardware auf ihren Einsatz. Mit seinem großzügig ausgelegten Arbeitsspeicher und einer SSD-Festplatte sollen gleichzeitige Wiedergabe und Aufnahme ohne Artefakte gewährleistet werden. Zusätzlich kommt zu gegebener Zeit eventuell ein Umstieg auf die kommerzielle VPO-Software "Hauptwerk" in Betracht, für die es mittlerweile eine Vielzahl qualitativ sehr hochwertiger Sample-Sets zu kaufen gibt. Preise nenne ich da lieber nicht, da kann man ziemlich schnell ziemlich arm bei werden – wobei fairerweise gesagt sein muss, dass sie das Geld in der Regel auch wirklich wert sind. Vielleicht erklingt ja eines Tages doch noch die fünfmanualige Pécsi-Mühleisen aus dem Palace of Arts in Budapest...

©2002-17, Woody/mC